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LINDE SALBER

13.10. bis 16. 12. 2012



Viel mehr als eine Botschaft tragen diese Bilder ihren Entstehungsprozeß mit seinen Zweifeln und Nöten aber auch mit seiner Freude und Lust zur Schau. Das, vielleicht, ist es, was sie so lebendig, kraftvoll und autark macht.


Gerhard Stromberg

Atelier Linde Salber, Köln 2012

Foto © 2012, Gerhard Stromberg

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Verwunde(r)t

Acryl auf Leinwand

50 cm x 40 cm 

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Mom hasn't got no wings

Acryl auf Leinwand

200 cm x 250 cm

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Schwankende Gestalten

Acryl auf Leinwand

70 cm x 100 cm

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Blau und Gelb

Acryl auf Leinwand

70 cm x 100 cm

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Psychonten

Acryl auf Leinwand

70 cm x 90 cm

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Nacht

Acryl auf Leinwand

60 cm x 40 cm

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Dunkler Friedhof

Acryl auf Leinwand

60 cmx 80 cm

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Golgatha

Acryl auf Leinwand

60 cm x 80 cm

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Zwischen Goldberg und Below

Acryl auf Leinwand

50 cm x 50 cm

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Übergang

Acryl auf Leinwand

70 cm x 90 cm

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LINDE SALBER – MALEREI

Gerhard Stromberg


Linde Salber, 1944 in Tütz (Pommern) geboren, ist seit nahezu 30 Jahren künstlerisch tätig; sie malt, fotografiert und schafft Skulpturen. Unsere Ausstellung zeigt eine Auswahl ihrer Malereien aus den letzten Jahrzehnten.


„Was will der Künstler uns sagen?” Viele von uns kennen diese Frage aus der Schulzeit, wo sie, egal auf welcher Seite Deutschlands wir erzogen wurden, mit Floskeln beantwortet wurde, die nur wenig mit den Bildern selbst zu tun hatten. Im Westen ging (und geht) es darum, Künstler im Markt zu positionieren, je nach Mode fand (und findet) sich ein erfolgsversprechender -ismus. Im Osten zählte (und zählt oft heute noch) „gesellschaftliche Relevanz.” Ganz zu schweigen von der Beschwörung des „guten, alten Handwerks.” Dieses wurde auf beiden Seiten gerühmt, obwohl man, zumindest östlich der Elbe,doch hätte wissen müssen, daß die Nazis Kunst und Handwerk schon schlimm und dumm genug in einen Topf geworfen hatten. 


Eines der Verdienste von Linde Salbers Bildern ist, daß sie, wollen wir uns ihnen wirklich nähern, den Verzicht auf die Frage nach der Botschaft unerläßlich machen. Wir sollten ihnen unvermittelt gegenübertreten; vielleicht so, wie wir einer namenlosen Blume oder noch nie gesehenen Wolkenformation begegnen: im besten Sinne des Wortes gedankenlos. Wenn wir dies zulassen, beginnt ein Prozeß, der unser eigenes Sein in einen Dialog mit den Bildern treten läßt. Mit etwas Geduld, Offenheit und Neugierde ergeben sich daraus weitaus spannendere Fragen und überraschende Antworten. 


Bilder beginnen da, wo Worte aufhören; alles andere ist Illustration. Salbers Bilder zeigen, wie gut sie darum weiß. Ihr Werdegang als promovierte Psychologin und erfolgreiche Autorin ist ein faszinierender Hinweis darauf, wie bewußt sie zu dieser Erkenntnis gelangt ist. 


Wie nun malt Linde Salber? Wie jede gute Malerin: so wie sie muß. Natürlich steht auch sie auf dem Berg an Kunstgeschichte, den alle Künstler erst einmal erklimmen müssen, um von dort oben eine bessere Sicht zu haben. Selbstverständlich hat auch sie auf ihrem Weg so manches von diesem Berg aufgeklaubt, um es in ihre Bilderwelt mitzunehmen. Und doch läßt sich ihre Malerei keiner Schule, keiner Stilrichtung, ja nicht einmal einer Generation zuordnen. 


Viel mehr als eine Botschaft tragen diese Bilder ihren Entstehungsprozeß mit seinen Zweifeln und Nöten aber auch mit seiner Freude und Lust zur Schau. Das, vielleicht, ist es, was sie so lebendig, kraftvoll und autark macht. 


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Gerhard Stromberg ist Kurator von Goldbergkunst e.V.

Musterung

Acryl, Hammerschlag, Spitze auf Leinwand

100 cm x 80 cm

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Ikone

Acryl, Quarzbrücke, Lack auf Leinwand

100 cm x 80 cm

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Memento I

Acryl auf Leinwand

30 cm x 40 cm

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Wir zwei 

Acryl auf Leinwand

100 cm x 100 cm

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Die Bacchen

Acryl auf Leinwand

250 cm x 200 cm

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Wir zwei II

Acryl und Lack auf Leinwand

40 cm x 50 cm

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Abschied

Acryl und Lack auf Leinwand

70 cm x 70 cm

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Wir zwei III

Acryl auf Leinwand

50 cm x 40 cm

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Denn was innen, das ist außen

Acryl und Lack auf Leinwand

50 cm x 40 cm

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LINDE SALBER MALT RÄTSELHAFTES AUF DIE LEINWAND

Sabrina Panknin



Als eine Frau mit kurzen blonden Haaren und einer zarten Brille auf der Nase die Goldberger Galerie betritt, drehen sich die Besucher um. Schauen sie an, ein einzelner Gast klatscht. Viele geben ihr die Hand, beglückwünschen sie. Alle sind gebannt, nicht nur von der Malerin selbst, sondern vor allem von ihren Bildern. „Linde Salber – Malerei“ lautet der Titel der neuen Ausstellung des Vereins Goldbergkunst. 


Mal stark, mal sanft, mal kräftig, mal weich – Linde Salbers Bilder sind vielfältig, alles andere als einfältig. Sie regen an, zum Nachdenken, zum Stehenbleiben, zum Verweilen. Gerhard Stromberg versucht bei der Vernissage zu erklären, was ihm diese Bilder bedeuten, denn er ist der Mann, der die Ausstellung „Linde Salber – Malerei“ zusammengestellt hat. „Als ich angefangen habe, die Ausstellung aufzuhängen, habe ich 16 Stunden mit diesen Bildern verbracht. Und irgendwann – und das hatte ich noch nie – hat jedes Bild angefangen, zu sprechen. Um halb eins in der Nacht bin ich nach Hause gegangen und ich wusste, jetzt habe ich eine Liebesbeziehung mit diesen Bildern“, erzählt Kurator Gerhard Stromberg.


Es ist die Kraft, die den Betrachter vor den Bildern stehen lässt. Davon sind auch Anne und Ernst Dietz aus Konau an der Elbe überzeugt. Kennengelernt haben sich die drei vor vielen Jahren, als Linde Salber an der Elbe war. Dort hat das Ehepaar Dietz ein altes Bauernhaus mit Ferienwohnungen. „Linde hat bei uns übernachtet und aus ihrem Besuch ist mittlerweile eine Freundschaft geworden“, erzählt Anne Dietz. Mehr als zwei Stunden Fahrtweg von Konau nach Goldberg haben die beiden auf sich genommen, um bei der Ausstellungseröffnung an Linde Salbers Seite zu sein. Die Künstlerin selbst ist gerührt, teilweise fehlen ihr die Worte .„So viel Freude und Liebe habe ich lange nicht erlebt. Goldberg ist wirklich ein Volltreffer, weil es hier keine satten Leute gibt. In Köln waren sie alle satt und das hatte ich satt“, verdeutlicht die Malerin. Denn erst in diesem Jahr hat Linde Salber ihr Atelier von Köln nach Below verlegt. Zurück in die Heimat, denn Linde Salber ist 1944 in Tütz/Pommern geboren. Hat einige Jahre mit ihren Eltern in Mecklenburg-Vorpommern gelebt. Danach kehrte die Familie der Heimat den Rücken. „Ich habe mich viele Jahre nicht getraut, hierher zu kommen. Auch nach der Wende nicht. Ich glaube, ich hatte Angst“, versucht die Künstlerin zu erklären.


Die Diplompsychologin reiste viel durch die Welt – Kathmandu, Montevideo, New York und noch viel weiter. Auf der Suche nach Lösungen. In London arbeitete sie drei Jahre lang in der Psychoanalyse, bis vor drei Jahren war Linde Salber als Dozentin an der Universität zu Köln beschäftigt. Psychoanalyse und Malerei haben für Linde Salber aber nur wenig gemein. „Das Schöne an der Kunst ist, dass du frei bist. Bei der Psychoanalyse willst du alles analysieren. In der Kunst ist es anders – hau’ einfach drauf“, erklärt Linde Salber. Vor mehr als 28 Jahren griff Linde Salber zur Holzkohle, um ihre eigenen Fotografien zu skizzieren und zu vergrößern. Doch zunächst war sie alles andere als zufrieden. „Nach den ersten Vergrößerungen habe ich gesehen, dass die gemalten Bilder nicht die Fotos wiedergeben. Ich habe mich geärgert, da ich es nicht hinbekommen habe. Doch dann habe ich gemerkt, dass dieses Nicht-Hinbekommen viel interessanter ist als die Exaktheit der Fotos“, verdeutlicht die Künstlerin. Mittlerweile kann Linde Salber ihre Bilder nicht mehr zählen – mehr als 1000 Stück hat sie bereits gemalt. Doch um die Vielzahl geht es der Künstlerin nicht, auch nicht darum, was sie als Malerin dem Betrachter mit dem Bild sagen will. 


„Kunst ist nicht zum Erklären gedacht, sondern soll nur wirken. Ich würde mir wünschen, dass Kunst dazu da ist, um dem Rätselhaften Raum zu lassen“, erklärt Linde Salber. Doch viele haben genau damit ein Problem und versuchen immer die Künstlerin zu fragen, was sie mit dem Bild sagen will. „Oftmals weiß ich es selbst nicht. Alle meine Bilder sind Rätsel für mich.“ Wer sich Zeit nimmt und die Bilder betrachtet, erkennt genau dies. Denn die Bilder erzählen wirklich Geschichten, wie Gerhard Stromberg sagt. Doch sind es nicht die Geschichten der Künstlerin, sondern die von einem selbst – mit den eigenen Gefühlen.



Sabrina Panknin ist Redakteurin der Schweriner Volkszeitung


Ihre Rezension erschien zuerst in der SCHWERINER VOLKSZEITUNG vom 15. Oktober 2012

Ausstellungseröffnung am 12.10.2012 



Fotos © 2012, Moni Engel (2) / Sabrina Panknin (2)

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LINDE SALBER

geboren 1944 in Tütz/Pommern, lebt in Köln und Goldberg



Bildungseinflüsse


bis Mai 1945

Flucht


bis 1951

Elbufer, Wiesen und Russen in Mecklenburg


bis 1960

Trümmerlandschaft, Ruinen und Tennisspiel in Hamburg


bis 1964

Hochöfen, Lyrik und Sonnenuntergänge in Duisburg

Studium der Psychologie, Psychopathologie und Pädagogik in Köln

1968

Diplompsychologin


1970

Dr. rer. nat.

Verheiratet mit Prof. Dr. Wilhelm Salber

Kunst im Museum und auf der Straße

Bücher in allen Lebenslagen

Psychotherapeutische Ausbildung in Köln (Analytische Intensivberatung)


1977 - 1980

Psychoanalyse in London

1970 bis 2007

Lehrtätigkeit an der Universität zu Köln

Reisen und Studienaufenthalte (London, Leningrad und Moskau, Taschkent, Paris, New York, Los Angeles,Mexico City, Kathmandu, Madrid, Montevideo)


Seit 1983

künstlerische Tätigkeit (Malerei, Fotografie, Skulptur)

Seit 1995

Ausstellungen in Deutschland, Spanien und der Schweiz

2012

Atelierverlegung von Köln nach Below/Mecklenburg



Buchveröffentlichungen (Auswahl)


In der Reihe rororo Monografien erschienen:


1990

Lou Andreas-Salomé


1992

Anais Nin


1997

Frida Kahlo


2001

Marlene Dietrich


2004

Salvador Dalí



1995

Tausendundeine Frau – Die Geschichte der Anais Nin, Hamburg: Rowohlt Verlag


2006

Der unbekannte Kontinent. Freud und die Frauen, Hamburg: Rowohlt Verlag


2006

Psychologie für die Westentasche, München: Piper Verlag


2008

Geniale Geschwister, München: Piper Verlag


In Arbeit

Nicht ohne Utopie – Der Schriftsteller Hermann Kant, Bonn: Bouvier Verlag 




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